Ich bin auch eine „schlechteste Hausfrau der Welt“

Wenn ein feministisches Buch mich zum Lachen bringt, ist das für mich eine Win-Win-Situation: sie regt mich zum Denken an und amüsiert mich – super! Jacinta Nandis „Die schlechteste Hausfrau der Welt“ (2020) tut das. In wenigen Tagen gelesen, gibt es nicht nur einige Momente der Wiedererkennung sondern regt mich auch zum Schreiben und Erzählen an. Denn: auch ich bin eine „schlechteste Hausfrau der Welt“.

Was Nandi und ich gemeinsam haben: wir haben beide ein Kleinkind (sie auch noch einen Teenager), wir hassen Putzen, wir haben ständig das Gefühl, die Zeit reiche nicht um alles zu erledigen, und wir nennen uns Feministinnen. Was mich von ihr unterscheidet: Mein Partner trägt eindeutig zum Haushalt bei, auch wenn ich insgeheim glaube, dass es nie 50-50 sein wird. Nandis Freund nicht, er gibt sogar offen zu, dass er sich dafür nicht herablassen wird, schliesslich verdiene er das Geld und sie sei den ganzen Tag zu Hause. Was zum zweiten Unterschied führt: ich arbeite ausser Haus und habe daher ein geregeltes Einkommen usw. Nandi ist Autorin und freischaffend.

Dennoch: Sie analysiert auf erfrischende und charmante Weise, warum die Hausarbeit, Putzen, Kindererziehen und Kochen bei den Frauen hängen bleibt. Sie enerviert sich köstlich, warum es ein No-Go ist, von „Mithelfen“ der Männer in der Kinderbetreuung und im Haushalt zu sprechen. Und ertappt sich selbst dabei, wenn sie sexistische oder andere Stereotypen bedient. Jacinta Nandi trifft immer wieder den Nagel auf den Kopf und ich erkenne mich regelmässig wieder. Auch sprachlich, denn auch mir ist schon rausgerutscht, dass ein Vater babysittet was natürliche ebenso Quatsch ist wie das mit dem „Mithelfen“. Väter beteiligen sich oder übernehmen ihren Anteil. Punkt. Jedenfalls sollte es so sein.

Also: Warum bin ich eine schlechte Hausfrau? Ich habe kein Auge für Sauberkeit oder Schmutz. Ich bin schnell zufrieden, wenn der grobe Schmutz weg ist. Ich bin Meisterin im Prokrastinieren, wenn es ums Fenster putzen, Staubsaugen (das macht inzwischen mein Mann – DANKE!), Kühlschrank putzen oder Bücherregal aufräumen geht. Nie wird man/frau fertig, denn es kommt immer die nächste Aufgabe. Gleichzeitig habe ich kein gutes Gefühl, diese Aufgaben auszulagern an eine Reinigungskraft, die dafür bezahlt wird. Auch das thematisiert Nandi unterhaltsam und zeigt damit auch auf, dass es völlig ok ist, keine perfekte Feministin zu sein. Immer wieder stellt sie erstaunt fest, dass sie in diese Rolle der Hausfrau reingeschlittert ist, obwohl sie sich doch für eine Feministin hält. Ihr Partner (der gegen Ende des Buches nicht mehr ihr Partner sein wird) kommt als totaler Chauvi rüber, sodass man immer wieder denkt: „Echt jetzt? Den würde ich rausschmeissen, so würde ich mich nicht behandeln lassen.“ Aber wir wissen, wie schwierig es sein kann, aus toxischen Beziehungen auszubrechen.

Und wie ist das in meiner Partnerschaft? Mein Mann mags auch sauber(er) und aufgeräumt(er) (als ich) und kann es beispielsweise nicht ausstehen, wenn schmutziges Geschirr in der Spüle stehen bleibt, wenn ich zum Beispiel sage: „lass stehen, wir waschen morgen ab.“ Das geht nicht. Abwaschen, Staubsaugen, Wäsche waschen und Bad putzen ist sein Bereich. Und die Pflanzen. Wenn mein Chaos auf dem Schreibtisch zu viel wird, stapelt er alles aufeinander, sodass ich nichts mehr finde, aber immerhin schmeisst er es nicht weg. Mein Bereich: Einkaufen und Kochen, zu 75% Kind wecken, anziehen, wickeln, ins Bett bringen usw., Abfall rausbringen (meistens) und alles was nicht täglich oder wöchentlich dran kommt: Fenster putzen etc. Und das wird dann oft fleissig prokrastiniert.

Und natürlich Mental Work Load. Arzttermine des Kindes, Steuererklärungen und Rechnungen, Organisation von zusätzlicher Kinderbetreuung, Geschenke besorgen, an Feiertage denken, Ferienplanung, Einladungen und Treffen vereinbaren und planen, Postkram („Hast du noch Briefmarken?“), Krankenkassen- und Versicherungssachen… Einkaufen gehört ja manchmal auch dazu, denn es ist auch planen und organisieren: Haben wir noch Abfallsäcke? Ist das WC-Papier alle? Der Zeckenspray ist abgelaufen, also neuen kaufen? Am Wochenende kommt Besuch, soll ich Kuchen backen oder einen kaufen?

Ich habe mal versucht, ihm das mit der Mental Work Load zu erklären und er nahm es eher belustigt zur Kenntnis, jetzt foppen wir einander manchmal damit. Trotzdem bleibt es (m)eine Frauenaufgabe.

Jacinta Nandis Schlussfolgerung, dass (Haus)Frauen nie Feierabend haben, kann ich bestätigen, obwohl ich ausser Haus arbeite und dann nach Hause komme (theoretisch also Feierabend hätte!). Ich setze mich dann kurz aufs Sofa um mit meinem Kind (und meinem Mann) zu kuscheln und vom Tag zu hören und zu berichten, dann stehe ich schon wieder auf und mache uns was zu essen. Meistens bringe ich danach das Kind ins Bett, und anschliessend könnte ich noch stundenlang aufräumen, Sachen erledigen oder putzen, aber meistens lege ich mich auf die Couch oder gehe schlafen. Und genau: prokrastiniere erneut. Der Berg wird eben nie kleiner.

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